Samstag, 25. Juni 2016

12-Wochen-Schnipsel

Feststellungen nach 12-wöchiger Mutterschaft:

1.) Ich erwische mich ständig dabei, wie ich mich im Herzschlagrhythmus von links nach rechts wiege und "Die Räder am Bus" singe, auch wenn weit und breit kein Baby zu sehen ist, und ich mich eigentlich auf einem Ska-Event im lokalen Pub befinde

2.) Zum ersten Mal im Leben habe ich lautlos Niesen perfektioniert, und mir platzen dabei auch fast nicht die Augäpfel

3.) Ich kann mich mit wildfremden Leuten stundenlang über meine Brüste unterhalten

4.) Ohne Vorwarnung verwandelt sich Voldi plötzlich in einen sprudelnden Geysir und bedeckt mich, sich selbst, das Sofa und alles in Reichweite mit nicht enden wollenden Schwallen an Formula Erbrochenem. The Mama kümmert sich dann zunächst ums Kind, danach ums Sofa, und verbringt länger in den eingesauten Klamotten als ihr lieb ist. Wenn mir das mal jemand prophezeit hätte...

5.) Und plötzlich schläft er 8 Stunden am Stück, was eigentlich den ersten wohlverdienten Nachtschlaf seit Monaten für mich bedeuten könnte, allerdings wache ich jede halbe Stunde auf und muss prüfen ob Voldi noch atmet. Dabei wecke ich ihn beinahe auf.

6.) So etwas wie Routine schleicht sich in unser unorganisiertes Leben, das momentan nur aus zufälligem Essen und Schlafen besteht. Und sie scheint zu funktionieren.

7.) Gawjus hat den Text zu "I know an old lady who swallowed a fly" auswendig gelernt und singt das ganze Lied gerne und oft und voller Inbrunst. Warum sind Kinderlieder grundsätzlich nie wieder loszuwerdende Ohrwürmer?



Dienstag, 14. Juni 2016

12 von 12 im Juni

Da ich Dank schlafloser Nächte wieder vermehrt in der wilden Bloggerwelt umherstreife, ist mir dieses 12 von 12 untergekommen, an dem viele Blogger am 12. jeden Monats teilnehmen. Einfach 12 Fotos des ganz normalen Tagesablaufs schießen und drauf los erzählen.

Juhuu, ich auch! Heute ist allerdings schon der 14. Und an einem Tag passiert bei mir auch nicht genug um 12 Fotos zu schießen, die abwechslungsreich und in irgendeiner Weise interessant sind. Kann ich diesen Monat meine eigenen Regeln erfinden? Hier 12 von den ersten 12 Tagen im Juni in zufälliger Reihenfolge:

Voldi hat seine Füße entdeckt. Dass dies wirklich solch ein Aha-Erlebnis werden würde, hätte ich nicht gedacht. Stundenlang verbrachte er mit angehobenen Beinen, fassungslos diese rosafarbenen Knubbel begutachtend. Probeweise wackelte er mit den Zehen und versuchte danach zu greifen. Doch die Beine gehorchen dem Meister noch nicht ganz so gut, und weigerten sich, in die gewünschte Richtung zu knicken.

Freddie das Glühwürmchen schaut auch ganz interessiert

Kaffee, Eis, und Schuhe gucken mit meiner Schwägerin und ihrer kleinen Tochter. Ich bin ja so froh, dass mir mit Voldi der ganze rosa Kram erspart bleibt.
Ich habe kein Foto vom Eis gemacht. Das wäre jedoch wirklich sehenswert, denn in unserem Ort hat eine echte italienische Eisdiele aufgemacht. Jeden Morgen werden die verschiedenen Sorten frisch zubereitet, sind cremig und so hochkonzentriert, dass der kleinste Becher Schokoeis - in der Größe eines Schnapsglases - schon größte Glücksgefühle auslöst. Und Pappsattgefühl.
Gutes Eis ist in England nicht so einfach zu kriegen. Zumindest in London. Hier fährt regelmäßig der Eiswagen durch die Straßen, laute Musik dudelnd, aber außer den abgepackten Sorten gibt es nur Mr Whippy Softeis. Das Eis erinnert an sehr leichte Schlagsahne und enthält so viel Luft, dass es einem eigentlich Kalorien entziehen sollte. Richtig kalt fühlt es sich auch nicht an. Sehr enttäuschend.

Früh übt sich, was eine Schuhlady werden will

Am 19. Juni ist Vatertag. Einen ganzen Nachmittag habe ich damit verbracht, Voldi in verschieden lächerliche Kostüme zu quetschen um ein besonders cooles Foto hinzukriegen, das ich Gawjus auf ein personalisiertes Vatertagsgeschenk drucken lassen kann. Zum Glück hat Voldi eine Engelsgeduld, aber zigtausend Fotos später war doch keines dabei, das mir ansatzweise gefiel. Ich entschied mich schließlich für den Superman, wegen den niedlichen Füßen, und ließ einen Holzschlüsselanhänger anfertigen. Leider sind die Füße darauf abgeschnitten.
Ach ja, und seither habe ich durch puren Zufall einige sehr gute Fotos geschossen, die bestimmt viel besser ausgesehen hätten. Seufz.

Die Darth Vader Faust des Todes

Ich kaufe Voldi so gerne Sachen. Jedes Mal wenn ich in einen Laden gehe muss ich mich sowas von zurückhalten. Kürzlich habe ich eine Reality Sendung gesehen, in der eine Mutter ihren beiden Kindern jeden Tag ein Geschenk kaufte, das sie nach der Schule auspacken durften. Ich weiß nicht mehr, worum es genau ging, aber die Szene blieb mir in Erinnerung, als die Lütten nämlich am Nachmittag eintrafen flippte eines davon gleich aus, weil es nämlich BEIDE Geschenke haben wollte und nicht nur eines. Rabäääääh.
Für die aktuelle Spielzeuganschaffung für Voldi bestand eher keine Notwendigkeit, allerdings hatte ich damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Das Kind liebt es! Freddie's on the go garden von Lamaze und Voldi sind unzertrennlich. Er verbringt jeden Tag Ewigkeiten damit, die verschiedenen Texturen und Muster zu untersuchen. Die Flügel von Freddie dem Glühwürmchen knistern verlockend. Dann gibt es noch eine kleine Hummel, die ein dezentes Klingelgeräusch macht, wenn angestoßen. Und auf der Blume ist ein kleiner Spiegel angebracht. Wenn wir unterwegs sind, hänge ich das Teil an den Kinderwagen, im Auto an den Babysitz. Wenn wir zum Mamatreff oder Kaffee trinken gehen, ist es immer in der Tasche dabei, beim kleinsten Anzeichen von Quengeln wird Voldi ein happy Baby sobald er Freddie und Konsorten erblickt. So ein guter Kauf, ich klopfe mir immernoch auf die Schulter dafür.

Mummy loves happy Babies


Es lebe die englische Pubkultur. Niemand wirft einem schiefe Blicke zu, wenn man Sonntag Nachmittags mit Baby einen trinken geht. Tagsüber sind Kinder genau so willkommen, wie der zahlende Gast. Manche Pubs haben Familienbereiche, damit die unschuldigen Kiddies etwas vom obligatorischen Trunkbold an der Theke separiert werden, andere erlauben den Kinderwagen überall.
So hat sich unser Social Life etwas in Richtung Nachmittag vorgezogen. 

Familiengedeck

Spontaner Sommerausbruch, zumindest für ein paar Stunden. Voldi schläft immer dann ein, wenn ich mit dem Kinderwagen in die heimische Straße einbiege. Um ihm etwas mehr notwendigen Mittagsschlaf zu garantieren, drehe ich oft noch eine extra Runde um den Block.

Er wird bald zu groß für die Wanne

Einfach mal Gras unter den Füßen spüren. Ich finde zusammen mit hochkonzentriertem Schokoeis ist dies ganz oben auf der Glücklich-mach-Skala. Hoffentlich bekommen wir dieses Jahr einen guten Sommer. Momentan ist es wechselhaft. Mal wird man nass geregnet, nur damit kurze Zeit später die Sonne hinter den dunklen Wolken hervorblitzt und hämisch lacht. Dann regnet es wieder.

Gänseblümchen

Schokoeis, Gras unter den Füßen... wie sieht es aus mit Seifenblasen? Es gibt so viele Dinge, die glücklich machen.

Voldi im Seifenhimmel

Noch etwas gekauft fürs Kind, diese Sommeranzüge habe ich jedoch im Second Hand Shop abgestaubt. Kurze Ärmel, kurze Beine, ich fühle mich sehr optimistisch.

Rompers

Zweimal am Tag gehört das Fläschchen machen zu meiner wichtigsten Aufgabe. Es ist so viel zu beachten! Das Wasser muss gekocht werden, und für eine halbe Stunde auf 70 Grad runtergekühlt. Wenn es noch zu heiß ist, tötet es die Nährstoffe im Milchpulver. Wenn es zu kalt ist, sterilisiert es das Pulver nicht. Auch die Flaschen müssen steril sein. Erst das Wasser eingießen bis zur gewünschten Marke. Statt Milliliter habe ich mir jetzt angewöhnt in Unzen zu denken, da ein Messlöffel Milchpulver pro Unze Wasser dazugegeben wird. Verschließen und schütteln. Kurz abkühlen lassen, dann gleich in den Kühlschrank. Wenn Voldi Hunger hat stelle ich die gekühlte Flasche für einige Minuten in ein heißes Wasserbad.
Eigentlich sollte man jede Flasche frisch zubereiten. Allerdings wenn ich nachts ein hungriges Kind im Arm habe, kann ich nicht eine halbe Stunde auf die richtige Wassertemperatur warten. Daher mache ich immer ein paar Flaschen auf Vorrat. Diese Methode hat sich jetzt seit drei Monaten gut bewährt, obwohl verpönt, weswegen man sich öffentlich nicht dazu bekennen sollte. Ups, zu spät.

Vorrat für die Nacht


Die Queen hat letztes Wochenende ihren 90. Geburtstag gefeiert. 90! Schaut sie euch an, sie ist jung wie nie! Das grüne Kostüm in Signalfarbe stand ihr ganz fantastisch. Man konnte sie sicher auch vom Weltall aus sehen. Stelle mir vor, wie grüne Marsmännchen an ihren Teleskopen sitzen und die Queen of Mars bejubeln. 

Happy Birthday Queenie

Ich hatte ein größeres Kuchenprojekt anlässlich des vierten Geburtstages unseres Neffen. Einen Paw Patrol Kuchen hatte er sich gewünscht. Ich musste das Kinderprogramm erstmal googeln. Es sind Hunde, die irgendwelche Heldentaten vollbringen.
Eigentlich war ich ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Der Kuchen war ein Funfetti Cake. Ein Rührkuchen, in dem bunte Streusel eingearbeitet sind, die durch das Backen zerlaufen und bunte Flecken hinterlassen. Um die ganze Sache etwas rutschiger zu machen, hatte ich noch eine Schicht Buttercreme in den Kuchen geschmiert, die ich mit Lebensmittelfarbe blau einfärbte. Etwas zu viel Lebensmittelfarbe, wie ich mir sagen ließ. Alle Kinder, die den Kuchen konsumierten, hatten danach nicht nur blaue Hände, Münder, und Kleidung, sondern schockten auch ihre Eltern am folgenden Tag mit blauen Toilettenhinterlassenschaften. Sorry!!!

I'm blue, daba dee daba die, daba dee daba die

Oh, das war es ja schon. Hat Spaß gemacht! Ich stell mir gleich mal einen Wecker für nächsten Monat, dass ich den 12. auch nicht verpasse.


Mittwoch, 1. Juni 2016

Stinktüten

Wie angedroht muss ich meinem Windeleimer einen Beitrag widmen.

Die beste Errungenschaft für Voldi war eindeutig der stinkfreie Windeleimer. Es war ein Geschenk von zwei Freundinnen, die mir beide versichert hatten, dass die teuren Müllbeutel jeden Penny wert seien. Und ja, ich bin so begeistert wie man von einem Eimer nur sein kann. Die Ersatzmilch-Kaka stinkt nämlich zum Himmel. Voldis Kacknados sind chemische Bomben, deren Dämpfe beim Windelwechsel pilzförmig aufsteigen. Üblicherweise genau in meinen Naseneingang und arbeiten sich dann aggressive zum Riechkolben durch. Meine Polypen haben sicher schon die Sachen gepackt und die Flucht ergriffen. Käfer fallen tot von der Wand, die Tapete löst sich, das Fenster beschlägt.
Wenn ich den Geruch beschreiben sollte, dann erinnert er mich an vergammeltes Coq Au Vin in Haarblondierung.

Das Prinzip des Eimers ist simpel und clever: Die Mülltüten sind eigentlich nur ein langer Tütenschlauch, der auf einem Plastikring aufgefädelt ist. Dieser wird in den Eimer eingesetzt, und die erste Tüte ganz unten verknotet. Durch öffnen und schließen des Eimers formt ein zylinderförmiger Anhang am Deckel ein schönes Tütennest für die erste schmutzige Windel. Eimer öffnen, Stinkbombe einlegen, Eimer schließen. Der Zylinder drückt die Windel ins Innere. Eimer wieder öffnen und nun den Plastikring ein- zweimal komplett drehen. Dadurch wird die Tüte geruchsicher zugezwirbelt. Das nochmalige Schließen bereitet wieder ein Tütennest für die nächste Windel vor.
Wenn der Eimer voll ist, so nach 15 Windeln, die letzte Tüte abtrennen. Was übrig bleibt ist ein Schlauch gefüllt mit Stinkbomben, die sich wie eine Girlande aneinander reihen. Das könnte man glatt als stimmungsvolle Dekoration für Babypartys oder Taufen verwenden. Falls jemand Bedarf hat, verschicke ich die Girlanden gerne. Voldi sorgt dafür, dass der Vorrat niemals knapp wird.

Montag, 30. Mai 2016

I'm no Supermum

Geburtsvorbereitungskurs, pah! Säuglingsklassen, buah! Wer hat schon Zeit für so etwas, und vor allem hat Mutter Natur uns nicht mit einem Instinkt versorgt? Die Vogeleltern machen keine Kurse, sie wissen genau wie man ein Nest baut, wie man die Eier warm hält, was man den Nachwuchs in den Schnabel würgt, und wie man die kleinen Racker flügge kriegt. Vor allem ist die Tierwelt so gut durchorganisiert, da kann das als Mensch, als intelligente Rasse, doch nur ein Klacks werden. Oder? Oder?

Ich war mir sicher, dass sich nach der Geburt von Voldi alles von selbst ergeben würde.
Jedoch hatte ich nicht bedacht, dass irgendwelche Instinkte bisher bei mir nur eingesetzt hatten, wenn es darum ging nicht noch einen Tequila nach dem fünften Bier zu bestellen (Überlebensinstinkt), beim Anblick einer Spinne kreischend wegzulaufen (Fluchtinstinkt), und im Badezimmer Raumspray zu benutzen (Urin stinkt).

Jedenfalls hatte ich plötzlich ein Baby, und mein erster und für eine Weile einziger Mutterinstinkt war: Oh Gott. Muss beschützen. Egal wie, aber muss beschützen. Dieses Gefühl setzte mich sowas von unter Druck und Stress, dass mir die ersten paar Wochen nur noch sehr unscharf in Erinnerung sind, außer das Gefühl des absoluten Terrors. Alle paar Minuten überprüfte ich, ob Voldi noch atmete. Ich schlief mit offenen Augen, bei jedem Geräusch aufschreckend, und verbrachte die erste Zeit jede Nacht mit Kind im Arm auf dem Sofa sitzend. Ich aß nicht, ich trank nicht, weigerte mich alleine das Haus zu verlassen, ich starrte nur mit Argusaugen das Baby an und wartete darauf, dass er etwas brauchte. Und ich hatte mich für "cool Mama" gehalten. Tja.

Meine Milchbar war nach wie vor außer Betrieb. Ich ging sogar zu einer Beratungsstelle für Brustfunktionsstörungen, doch auch dort konnte Mutter Natur nicht auf die Sprünge geholfen werden. Erst als ich mich offiziell zur Formula-Mutter erklärte, die Melkmaschine in den Schrank packte und mein Sortiment an Babyflaschen vergrößerte, konnte ich mich endlich etwas entspannen. Ich übte auch das Voldi Hochnehmen und Kleiderwechsel, denn in den ersten zwei Wochen kam einige Male eine Hebamme zu Besuch und beobachtete mich dabei, wie ich das Baby entkleidete, auf eine Waagschale legte, und anschließend wieder anzog. Ich leide an "Ich kann nicht wenn jemand guckt". Wenn ich weiß, dass mir jemand bei etwas zusieht dann werde ich zum motorischen Volltrottel. Zum Glück gibt es Babybodies, die Knöpfe haben und nicht über den Kopf gezogen werden müssen. Das hätte ich unter Aufsicht nämlich nicht geschafft.

Unerwartet schwierig war auch der Positionswechsel von Voldi. Wenn ich ihn fütterte, in der Armbeuge, und danach zum Rülpser aufrichten und gegen mich lehnen wollte, dann krachte er immer Kopf voran an meinen Hals. Zum Glück war er von Anfang an sehr geduldig und nahm es mit Würde, während ich mich Entschuldigungen stammelnd schämte. Was war dieser Winzling aber auch unhandlich. Der baumelnde Kopf, die dünnen Gliedmaßen, es dauerte einige Zeit bis ich den Bogen raus hatte.

Zum Glück beherrscht Voldi Zeichensprache. Wenn er Hunger hat machte er immer eine Pantomime, die einen alten Mann darstellt, der Suppe löffelte. Ohne Witz. Wenn er Bauchschmerzen hat zieht er die Knie an. Wenn er eine volle Windel hat... naja, das riecht man. Formula Kaka ist sehr geruchsintensiv. So brachte mir zu meiner Schande das Kind alles bei, das ich wissen musste.

Ich habe das Glück, dass Voldi kein Schreibaby ist. Er macht sich bemerkbar wenn er Hunger hat, eine frische Windel möchte oder übermüdet ist. Letzteres kann auch mal in eine längere Quengelattacke resultieren. Und die paar Mal, die ich ihn volle Kanone schreien hören habe, kann ich an einer Hand abzählen. Einmal davon war beim Impfen.

Ich habe mir vor der Geburt nicht groß Gedanken darum gemacht, wie ich welche Situationen einmal regeln werde. Ich mache was sich richtig anfühlt. Am Anfang wurde ich sowas wie kritisiert, weil ich Voldi Tag und Nacht auf dem Arm hatte. Er schlief auf mir, ich immer nur im Halbschlaf, sofort hellwach bei der kleinsten Regung. So verbrachten wir die ersten 6,7,8 Wochen auf dem Sofa. "Du verwöhnst ihn ja schon sehr...", eine gedankenschwere Pause. "Ob er so lernt, dass er mal alleine schlafen muss?"

Kann man einen Säugling wirklich verwöhnen, dachte ich mir. Die arme kleine Kreatur, die keine Ahnung hat wie ihr geschieht. Viertes Trimester nennt man die Zeit nach der Geburt. Es dauert einige Wochen, bis das Baby merkt, dass es vom Körper der Mutter separiert wurde. So lange konnte ich Voldi doch noch größtmöglichen Körperkontakt geben. Oder würde ich eines Tages zurückblicken und mir wünschen, ich hätte ihm weniger Nähe gegeben? Eher nicht.

Ich behielt klein Voldi beharrlich am Körper. Und siehe da, seit der 9. Woche habe ich nun - zu meiner eigenen Überraschung - ein Baby, das jeden Abend friedlich und problemlos in seinem Bett einschläft. Aber auch hier kommt es wohl immer auf das Baby an, aber ich freue mich, dass sich ein Instinkt gemeldet und bewährt hat.

Voldi wächst wie Unkraut. Momentan wird er wieder etwas unhandlich und sehr stark. Mit den Beinen stößt er sich ab, macht sich steif wie ein Brett, und versucht sich im Flachköpper von meinem Arm zu stürzen. Das ist sehr anstrengend und morgens um halb fünf habe ich ihm aus Versehen schlaftrunken beim Abfangen einen Kratzer mit meinem Fingernagel verpasst. Oh Gott, ich fühle mich so schlecht, jedes Mal wenn ich die rote Linie an seiner Schläfe sehe. Beschützen. Muss beschützen.

Mein Instinkt sagt mir, wenn er das hier mal liest, dann kriegt er ein großes Eis spendiert.

Ultimativer Körperkontakt und The Mama hat die Hände frei



Sonntag, 29. Mai 2016

Domestizierter Mamiblog

"Wird dein Blog jetzt zum Mamiblog?" wurde ich nach dem Kinderwagenartikel gefragt.

Hm. Ich schätze schon. Voldi ist jetzt 11 Wochen alt und mein Lebensinhalt hat sich seit seiner Ankunft etwas verändert. Alles dreht sich nur noch ums Kind. Der Tag hat keinen Anfang mehr und kein Ende. Wie ein siamesischer Zwilling bin ich an mehreren Körperteilen mit Baby verbunden und es gibt mich nur noch im Doppelpack solange ich lebe. Ok, solange bis Voldi in die Pubertät kommt, die Zimmertür zuknallt und mich hasst. Und ich dann ganz schnell das Passwort des W-Lan Routers ändere. Und er sich dann mit zusammengeknoteten Bettlaken aus dem Fenster abseilt und beim Kumpel Internet spielt, und ich dann mit einem riesigen Glas Wein am Küchentisch sitze und mich frage wie ich dieses Elend nur verdient habe. Alptraum Ende.

Ich werde mich für ein Jahr in Mutterschaft befinden, das Baby am Leben erhalten, kochen, putzen und Kuchen essen. Keine aufregenden Pendlererlebnisse mehr (Es gab einen freien Platz zur Rush Hour. AM FENSTER), keine Saufabende mit den Railway Children, keine spontanen Ausflüge nach London City um Freddie Mercurys ehemaliges Wohnhaus zu finden (Check, been there, done that)
Ich bin häuslich, bewege mich in kleinem Radius durch den Ort, habe nun andere Abenteuer (Wickeln ohne Wickelunterlage im Kinderwagen und Voldi hat nicht alles vollgesprinkelt. SUCCESS!)

Aber ich bin nach wie vor in England, mache englische Sachen, und habe endlich endlich mal wieder Zeit zum Bloggen. Jedenfalls wenn Voldi schläft. Häkeln und Stricken tu ich noch nicht, keine Sorge, es wird kein Handarbeitsblog (gebt mir noch ein halbes Jahr), aber ich koche und backe und werde mal das eine oder andere englische Rezept einarbeiten. Und vom Alltag mit Baby berichten. Das ist komplett Neuland für mich, und Voldi wurde nicht mit Gebrauchsanweisung angeliefert, leider.

Schön, dass ihr Lesenden da seid, schöner, wenn ihr auch dabei bleibt. Auch wenn hier jetzt alles etwas langweilig babyfied ist. Vielleicht berichte ich mal über meinen neuen Windelmülleimer, EXCITED?

Freitag, 27. Mai 2016

Das Auge fährt mit

In freier Wildbahn sieht man den gemeinen Kiwa am häufigsten ab zehn Uhr morgens. Meist in Rudeln statten sie den beliebten Wasserstellen, auch genannt Coffeeshops, den alltäglichen Besuch ab. Hier werden die Jungen gesäugt, Sozialverhalten gepflegt, sowie die Energiereserven mit größeren Mengen Decaf Latte mit Sojamilch ohne Zucker und extra Schuss Espresso wieder aufgefüllt.

Danach geht es in den Dschungel der Shops und es wird alles gejagt und gesammelt, was nur ansatzweise nützlich erscheint, und in Säcken und Tüten an den Hörnern des Kiwa befestigt.

Gegen drei Uhr nachmittags machen sich die meisten schwer beladenen Kiwä auf den sogenannten school run, um den älteren Nachwuchs abzuholen. Dieser hängt und klammert sich an den Kiwa, bis er sicher wieder zu seinem Bau zurücklgelangt ist, wo er sich für die Nacht niederlässt.

Jetzt bin ich also auch so eine Kiwa-Tante. Nur ohne school run.

Dies war die Anschaffung für Voldi, über die ich mir am meisten Gedanken gemacht hatte: Ein Kinderwagen. Der Erwerb eines solchen war unumgänglich, da ich das Baby ja schlecht in der Handtasche herumtragen konnte. Es gab nur so schrecklich viel Auswahl. Und die Preisklassen gingen in die Autowelt übertragen von Renault Clio bis Lamborghini. Es gab Range Rover mit hochtechnischer Federung an jedem Rad. Mit einem solchen Gefährt konnte man sicher Mount Everest besteigen. Wie überaus nützlich in Flach-London. So schlimm sind die Schlaglöcher dann auch wieder nicht. Es gab schicke Cabrios mit verchromtem Gestänge, die wahrscheinlich schon gestohlen würden bevor ich den Laden damit verließ. Es gab ausgeflippte Modelle - wahrscheinlich die Elektroautos unter den Kinderwägen - mit Namen wie "Egg" und "iCandy", deren Preise mir ein Gefühl von Höhenangst gaben. Die Gegenseite dazu waren die Renault Twingos der Babytransportwelt. Bezahlbar, jedoch qualitativ furchterregend.

Ich rechnete aus, dass der Kiwa sowieso nur ein Jahr, höchstens anderthalb in Benutzung sein würde. Danach war die Anschaffung eines handlichen Buggys viel einleuchtender. Vor allem der Behälter ganz am Anfang, in dem das Baby liegt, dieser hat nur eine Lebensdauer von etwa sechs Monaten. Selbst wenn Voldi längenmäßig noch darin Platz hätte, in dem Alter würde er sicher schon die große Welt sehen wollen und nicht nur eine handbreit Himmel und meinen Haaransatz.

Mehrere Male lief ich den Fuhrpark im örtlichen Babygeschäft ab, bis ich bei den Wägen der Kompaktklasse hängenblieb. Da stach mir schon wiederholt etwas ins Auge: Bunt.

Ehrlich gesagt entsprach der Wagen nicht meinen Suchkriterien. Er hatte nur drei Räder, nicht viel Stauraum, aber da war etwas das mich faszinierte. Er war sehr leicht, dicker Pluspunkt mit unzähligen Treppenstufen, er hatte einen lächerlich kleinen Wendekreis, schien super lenkbar, und vor allem kam er mit gemustertem Bezug und in den leuchtendsten Farben. Sterne, Tropfen, Pixel, Regenbogenfarben, Grüntöne, Streifen, Punkte, Äpfel... Ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich hier etwas mitgerissen wurde und die bunte Fröhlichkeit meine Entscheidung beeinflusste.

Der Cosatto Giggle


Des Weiteren war er im Angebot und kam als komplettes Travel System mit Kindersitz fürs Auto, Liegebehälter (wie heißt denn sowas nur auf deutsch?), Sitz mit Fußsack, Wickeltasche und dem coolen MUSTER. Gekauft. Auch wenn es vor ein paar Jahren mal eine Rückrufaktion gab wegen Problemen mit dem Vorderrad, wie Google mir noch an Ort und Stelle verriet, diese sind mittlerweile behoben.
Nur ein Problem habe ich nun. Seit Voldi an Farben und Formen interessiert ist, kriege ich ihn im Kiwa nicht mehr zum Einschlafen. Staunend liegt er da und betrachtet den farblichen Kontrast in der Innenseite der Haube. Er flirtet mit den blümchenartigen Abbildungen und grinst sich eins, als wenn nur er ihre Bedeutung verstünde. Kind! Schlaf!
 
Faszinierend...
 
Sogar Strandtauglichkeit. Da staunt der Range Rover.

Montag, 23. Mai 2016

10-Wochen-Schnipsel

Feststellungen nach zehnwöchiger Mutterschaft:

1.)    Ich ziehe ernsthaft in Erwägung den Beruf zu wechseln und zukünftig lieber in der Bombenentschärfung zu arbeiten. Das kann nicht schwieriger sein, als ein schlafendes Baby vorsichtigst ins Bett zu legen.

2.)    Knarzende Bodenbretter können einem so richtig den Strich durch die Rechnung machen, und ich bewege mich schon so gewohnheitsmäßig auf Zehenspitzen durchs Haus, vereinzelte Stellen überspringend, dass ich für Besucher aussehe als hätte ich einen Gehfehler.

3.)    Ich kann nun auch wieder gefahrenlos niesen, ohne in die Hose zu pinkeln. Meistens zumindest.

4.)    Geschirrspülen, Kochen, Zähne putzen und staubsaugen ist nun „Zeit für mich selbst“, Anziehen ist das neue „schick machen“, und eine Schüssel Mikrowellenpopcorn ist „Mittagessen“

5.)    Jedes Mal wenn ich in einen Laden gehe, muss ich alles ansehen und abwägen, ob es ein gutes Lernspielzeug für Voldi machen würde. Habe ihm schon einen Staubwedel gekauft, Fahrradlenkerfransen, und einen Gartenhandschuh.

6.)   Kinderlieder sind viel interessanter, wenn man sie umdichtet und aktuelle politische Situationen einbaut. So hat Old Mc Donald gerade seine Farm wegen der Schlafzimmersteuer verloren, und die Wheels on the Bus sind nicht schadstoffarm genug um durch Central London fahren zu dürfen.

7.)    Wie kriegen Babys so viel Dreck unter die Fingernägel? Hat Voldi einen Baustellenjob von dem ich nichts weiß? Vielleicht sollte ich ihm den Gartenhandschuh anziehen.

8.)    Alles wird langsam etwas einfacher.

Vergesst Lego und Co. Hier fängt der wahre Spass an