Freitag, 1. Mai 2009

Tag 11 - Mister Mouse

Tag 11?

Einerseits kommt es mir schon viel länger vor, andererseits hab ich das Gefühl, gerade erst in dieser neuen Welt angekommen zu sein.
England ist die eine Sache. Aber ich als Au-Pair-Girl? Weird!
Heute hab ich gedacht, ich hätte mir vielleicht lieber einen Aupair-Job mit älteren Kindern gesucht, bei dem es sich eigentlich hauptsächlich um Hausarbeit dreht. Der Herd schlägt wenigstens nicht um sich, wenn man ihn mit einem feuchten Lappen bearbeitet. Und die Spülbürste scheißt nicht in die Hose… siehe das Video von gestern.
Gott, es ist so anstrengend. Ich glaub wenn das Aupairding vorbei ist, will ich niemals Kinder haben. NIEMALS! Oder wenn, dann werden das so superdressierte Schlauberger, die in der Schule niemand leiden kann. Und die dann mit 14 ausbrechen und kriminell werden. Ja. Ich lass das lieber.

Unter der Woche werden sich jetzt meine Erlebnisse sicher in Grenzen halten. Kinder, Schulweg, Essen kochen. Diplomatisch sein, streng, motivierend, verantwortungsvoll, fantasievoll.

Hab ich schon von Mister Mouse erzählt? Das einzige, was mich die Kinder momentan wirklich am Besten manipulieren lässt? Haha.

Mr. Mouse ist eine Ikea Stoffratte, die ich aus Deutschland eigentlich für mich selbst mitgenommen habe. Aber ziemlich schnell hab ich rausgefunden, dass ich dieses Stofftierchen für mich reden lassen kann… und die Kids hören gebannt zu. Ich glaub es war Aedan, der plötzlich mit dem Namen Mr. Mouse ankam. Und Mr. Mouse ist die Allzweckwaffe! „Let him talk, let him talk!“, rufen die beiden immer im Chor und sind plötzlich total aufmerksam.



Erst war Mr. Mouse ziemlich gefrustet. Er ist in meinem Koffer aufgewacht und war plötzlich… wo? England? Er wollte auf der Stelle ein Taxi rufen und wieder nach Hause. Oder ein Flugzeug anhalten. Sofort!
Die Kinder haben ihn dann überredet zu bleiben. Er hat trotzdem noch ein paar Fluchtversuche unternommen… spektakuläre Rettungsaktion vom Gartenzaun, einmal ausgebüchst auf der Straße zur Schule, immer wieder versteckt unter einem Kissen aufgefunden.

Mittlerweile hat sich Mr. Mouse mit seinem Schicksal abgefunden. Er ist trotzdem ständig total von seiner Umwelt genervt und die Kinder müssen sich richtig Mühe geben, ihm auch alles Recht zu machen. Außerdem frisst er ihnen ständig alles weg. Er muss festgebunden werden, wenn es etwas zu Essen gibt.



Und weil er gestern trotzdem ein paar Tomatensoßenflecken abgekriegt hat, musste er heute in die Waschmaschine. Die Kids haben seit heute Morgen von nichts anderem gesprochen. Mr. Mouse war natürlich dagegen… wie eigentlich gegen alles, außer Süßigkeiten. Es war dann heute Nachmittag eine wilde Aktion, ihn einzufangen. Er hat sich so gesträubt, dass die Kinder ihn in eine Wäschetonne einsperren mussten und diese gut festhalten, so sehr hat er darin gezappelt.
Irgendwann war er endlich – eingewickelt in ein paar Jeans – in der Waschmaschine. Beide Kinder sind das komplette Waschprogramm lang auf dem Boden vor der Maschine gesessen und haben Mr. Mouse beigestanden. Immer wieder mal ist er an der Scheibe vorbeigeschleudert und hat ihnen schreckliche Sachen angedroht.



Am Schwanz wurde er schließlich zum Trocknen. Dort kann er sich abreagieren, bis er morgen wieder mit auf den Schulweg darf. Und weil er dort so hilflos hängt, haben ihm die Kids erstmal was zu Essen gebracht. Chocolate Chip Cookies, yummi. Die wird er bis morgen alle gefressen haben, harr harr!

Es gibt nur ein klitzekleines Problem bezüglich Mr. Mouse:

-> 2 Kinder

-> nur 1 Mr. Mouse!

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