Dienstag, 13. Juli 2010

Tag 451 - The Rolling Stone


Pünktlich zum fünften Geburtstag hat Klein Sargnagel eine neue Phase angefangen. Die Veränderung läuft immer ab wie eine Häutung: Die alte Phase ist vollständig ausgeschöpft und es gibt nicht mehr genug Platz zum entfalten. Über Nacht wird sie dann abgestreift wie schuppige Haut, und heraus schlüpft etwas völlig Neues. Die vertrocknete Phase wird achtlos unter das Bett gekickt zu den anderen.
Klein Sargnagel ist kein Nervzwerg mehr. Er ist ein Terrorgnom und lässt keinen Ärger aus.
Hier eine Übersicht über seine aktuellen Verbrechen:

- Haare selbst mit Kinderschere geschnitten
- Lippen braun angemalt und im ganzen Haus die Wände geküsst
- Holzklettergeräte in der Schule abgeleckt und Magen daran verdorben
- In der Schule ins Waschbecken gepinkelt
- Das F-Wort benutzt
- Ein Schokoladeneis unter seinem Kopfkissen versteckt

Und gestern hat die Schule angerufen, der Kleine Sargnagel solle bitte umgehend abgeholt werden, da ein Stein in seinem Gehörgang stecken würde.
Tatsächlich. Ein kleiner Kieselstein war in seinem Ohr gerade noch so zu erkennen.
Auf die Nachfrage, warum er das denn getan habe, kam die sehr selbstsichere Antwort: „Der Stein ist in mein Ohr gerollt!“

Wie auch immer, der Rolling Stone fühlte sich ziemlich wohl an seinem Platz. Ohne ärztliches Werkzeug war nichts zu machen.
Die Sargnägel, Mummy und ich fuhren zur Notaufnahme ins nächste Krankenhaus und verbrachten eine unendlich lange Wartezeit, bis sich endlich eine Ärztin dem Sargnagelstein annehmen konnte. „Kein Problem!“ sagte sie, „den saugen wir raus!“
Während sie den „Ohrenstaubsauger“ fertig machte, fragte sie Klein Sargnagel, wie es passiert sei. Zerknirscht gab er zu, er hätte den Stein ins Ohr gesteckt und beim wieder herauspulen sei er immer tiefer hineingerutscht… etwa so… und bevor jemand etwas dagegen tun konnte, gab er dem Fremdkörper mit seinem kleinen dicken Zeigefinger den finalen Gnadenstoß. Der Stein war endgültig im Ohr verschwunden.
Mummy sank auf ihrem Stuhl zusammen, als die Ärztin resigniert mit den Schultern zuckte. Es fielen Worte wie „Operation“ und „Narkose“ und eine Überweisung für den nächsten Morgen in ein anderes Krankenhaus mit Spezialisten.
„Ich will dann aber auch Schulfrei!“ rief Groß Sargnagel sofort empört.

Es ließ Klein Sargnagel recht kalt, was da in seinem Ohr so vor sich ging. Ich bin mir nicht sicher, ob er überhaupt den Ernst der Lage verstanden hatte. Gutgelaunt wie schon lange nicht mehr hüpfte er am nächsten Tag ins Auto. Er durfte mit Mummy und mir ausgehen, während die hassgeliebte Schwester neidschluchzergeplagt die Schule über sich ergehen lassen musste. Mehr Zufriedenheit gibt es für einen frischgebackenen Terrorgnom kaum.

Knappe 50 Kilometer über die Autobahn bis zum Krankenhaus, und der Sargnagel war immer noch die Ruhe selbst.
Weiter gefühlte 50 Laufkilometer haben wir auf dem Weg zur Kinderstation zurückgelegt.
Ich hab ständig nach Unterschieden zu deutschen Krankenhäusern gesucht, aber nicht viele gefunden:

- Es gibt auf dem Parkplatz Rollstühle, die man mit einer Einkaufsmünze von der Kette lösen und verwenden kann
- Die Schwestern und Pfleger tragen blaue Uniformen
- Die Ärzte tragen aus Hygienegründen keine Kittel


Im Wartezimmer der Pinguinstation gab es Mary Poppins im Fernsehen. Warum wird so was eigentlich nicht im Erwachsenen-Wartebereich eingeführt? Wir sahen auch gut die Hälfte des Films, als uns endlich der Arzt ins Behandlungszimmer holte. Ich kenne ein paar Leute, die für den NHS (National Health Service) arbeiten, und alle hassen es. Harte Arbeitszeiten, Unterbezahlung, Burn-out, Arbeit die krank macht. Und dieser Doktor war ganz bestimmt einer der Betroffenen. Er war nicht viel älter als ich, aber schlurfte mit seinen tiefen Augenringen wie ein alter Mann. Kein Hallo, keine Vorstellung, nur knapp gemurmelte Anweisungen wie Klein Sargnagel positioniert werden sollte. Mensch, der Typ war vielleicht fertig.
Der Stein war schnell gefunden, aber es sah nicht gut aus. „Ich versuche ihn mit einem Haken zu holen. Das ist extrem schmerzhaft. Wenn es beim ersten Mal nicht klappt, dann Operation.“
Ich glaube alle im Raum hielten die Luft an, als der Doktor mit etwas zittrigen Fingern nach dem Problemstein stocherte. Nur der Kleine Sargnagel nicht. Der entließ seine Luft durch die Stimmbänder nach draußen. Ich glaube von Mary Poppins war im Wartezimmer für kurze Zeit nichts mehr zu hören.

Und nach zwei endlosen Minuten kam er zum Vorschein… der kleine runde Kieselstein, der so viel Ärger verursacht hat.

Ich hoffe, Klein Sargnagel hat diese Lektion gelernt. Er war zwar sofort nach der Behandlung wieder genau so cool wie vorher, aber hat seinen Stein doch ein wenig nachdenklich betrachtet. Ins Ohr wird bestimmt nichts mehr gesteckt. Aber der Terrorgnom hat sicher schon neue Ideen…

Montag, 12. Juli 2010

London by car

Am Wochenende war ich auf Tour in und um London... im Auto. Zur Hauptgeschäftszeit nicht ganz so zu empfehlen, aber es gibt mal so eine ganz andere Perspektive auf diese vielfältige Metropole. Ich hab wie Rainman wild aus dem Fenster fotografiert. Das ist dabei herausgekommen:

Norbury


O2 Arena


Greenwich


Picadilly Circus


Islington



Angel


St Pancras



Hackney



Canary Wharf


Stratford


Kidbrooke


Westminster


Chelsea


Carshalton

Freitag, 9. Juli 2010

Ein verdammt gutes Au Pair

Die Sargnägel waren hochmotiviert beim Erstellen des neuesten Videos und wir hatten es innerhalb kürzester Zeit fertig. Allerdings hat das editieren viele Nerven gekostet, weil der Windows Movie Maker manche Sachen einfach grundlos verweigert. Hoffentlich habt ihr beim Anschauen genau so viel Spaß wie wir beim Drehen!

Mittwoch, 7. Juli 2010

Harry Potter und der Halbblutknoten

Ich habs schon wieder getan.
Dieses Mal ging es zwei Tage angeln in den Monk Lakes in der Nähe von Maidstone, Kent.
Und anstatt mich nur lesend in der Sonne zu aalen hab ich dieses Mal auch richtig mitgemacht und meine "eigene" Angel mehr oder weniger professionell ins Wasser schnalzen lassen. Gelernt habe ich, dass man den Haken mit einem "five turn half blood knot" an der Leine befestigt. Und auch, dass es Fische gibt, die auf Dosenfleisch abfahren. Und auch, dass diese Fischart auf Englisch ganz elegant "tench" heißt, aber im Deutschen sehr seltsam "Schlei" genannt wird. Nie gehört. Echt nicht.

Hier, der letzte Schlei:


Karpfen hingegen mögen Boilies als Köder. Das sind bunte Kugeln, die sie bequem einsaugen können. Die gibts im Angelladen in allen möglichen Geschmacksrichtungen: Ananas, Tutti Frutti, Erdwurm, Kiwi, Banane.

Meine beiden Kampfkarpfen mochten ganz besonders Tigernüsse.



Oh mein Gott, es ist also wirklich passiert. Ich gehe fischen und habe Spaß daran. Fortsetzung folgt bestimmt. Nächstes Mal will ich einen zwanzig-Kilo-Wels. Woohoo.