Nach wochenlanger Anstrengung, Sorge und Frustration ist es jetzt doch passiert:
ICH HABE EINEN JOB!!!
Anfang letzter Woche saß ich im Bus, als plötzlich mein Handy mit einer Londoner Nummer klingelte. Einladung zum Vorstellungsgespräch! Gleich am nächsten Tag sollte es stattfinden. In einer Apotheke im Süden Londons, unweit Tower Bridge mit Aussicht auf den Gherkin.
So gut wie es ging, hab ich mich am Abend vorher noch vorbereitet. Im Internet die Top 10 meistgestellten Fragen in Job Interviews nachgeforscht. Welches Tier würden Sie gerne sein?
Was sollte ich anziehen? Habe mich für einen grau karierten Rock, schwarze Strumpfhosen und flache Stiefel entschieden.
Bin mit Hilfe von Google Maps die genaue Route von Bahnhof bis Apotheke abgefahren und habe mir gleich schon mal die Umgebung angesehen. Nicht die Beste, wie erwartet. Südlich der Themse ziehen sich die zwielichtigen Gegenden ein wenig wie ein Schmutzgürtel entlang des Flusses. Aber auch nicht die schlechteste Gegend. Es gibt ein relativ großes, einladendes Einkaufszentrum nur zwei Laufminuten entfernt, mit all den gängigen High Street Läden.
Eine ganze Stunde war ich zu früh vor Ort. Die Bahnfahrt war kürzer als erwartet. Die Aufregung wohl auch stärker als angenommen.
Als es dann endlich an der Zeit war, setzte ich mein kompetentestes Gesicht auf und stürmte den Laden… um eine Minute später nervös in einem mit Medikamentenschachteln ausgestopften Raum zu sitzen, kritisch beäugt von einem älteren Herrn indischer Abstammung (eindeutig der BOSS) und seiner Tochter.
Sie fragten mich nicht, welches Tier ich gerne sein würde. Die perfekt englisch sprechende Tochter stellte geschickte Fragen über mich und meinen beruflichen Hintergrund und nickte ihrem brüchig sprechenden Vater immer wieder vielsagend zu. Ich fühlte mich nicht ganz so wohl in diesen Momenten, weil ich nicht deuten konnte, ob das jetzt gut oder schlecht war.
Dann war ich an der Reihe. Ich sollte meine Fragen stellen, wenn ich denn welche hätte. Anfangs stotterte ich noch ein wenig herum, aber dann lief die Sache. Ich traf genau ins Schwarze mit meiner Frage, woher die Familie denn stamme. Der BOSS kam sofort ins erzählen und ausschweifen, über seinen Ururgroßvater, der im Jahre 1842 von Indien nach Kenia ausgewandert war. Und obwohl alle nachfolgenden Generationen in Kenia aufgewachsen seien, hätten sie trotzdem noch einen starken indischen Einfluss. Sogar seine Kinder, die in London geboren seien, sprächen neben Swahili auch noch eine indische Sprache.
In den Siebzigern eröffneten sie die Apotheke. Es war am Anfang schwierig, als Einwanderer das Vertrauen der Leute zu gewinnen. Doch sie gaben nicht auf, bis das Geschäft schließlich lief.
Jemand servierte mir einen starken Tee.
Der BOSS stellte mich dem Teebringer vor als die neue Mitarbeiterin, die am 1. November anfangen würde. Mein kompletter Arm wurde geschüttelt, und ich fühlte mich gar nicht überrumpelt. Wollte ich nicht eine Nacht darüber schlafen? Aber absagen könnte ich ja immer noch, wenn sich etwas Besseres ergeben würde. Und so wurde ich nur eine halbe Stunde nach Gesprächsbeginn in den Kreis der total multikulturellen Mitarbeiter aufgenommen.
„Ich bestehe darauf, dass du ein Stück Kuchen nimmst!“ sagte ein Kollege, dessen Namen ich sofort wieder vergessen habe, und hielt mir einen Teller unter die Nase.
Und so saß ich, trank Tee, aß Kuchen und fühlte mich wie in einem sehr seltsamen Traum.
Ich konnte ewig nicht einschlafen am Abend. So unwirklich war dieser Tag abgelaufen. Hatte ich wirklich einen Job gefunden? Dazu auch noch eine permanente Vollzeitstelle? So richtig mit morgens das Haus verlassen, abends wiederkommen und am Ende des Monats eine Zahl auf dem Kontoauszug zu haben?
Natürlich muss ich aber auch etwas dafür tun. Ich habe einen kleinen Computerarbeitsplatz im Hinterzimmer der Apotheke für verwaltungstechnische Sachen, werde aber auch von Zeit zu Zeit im Verkaufsraum eingesetzt. Manchmal kann es auch sein, dass ich in einer anderen Filiale für jemand anderes einspringe. Meine Aufgaben werden auf jeden Fall abwechslungsreich sein, und so mag ich es auch am Liebsten.
Natürlich ist der Verdienst nicht gerade rosig, aber es ist ein Anfang!
Ich bin noch zu einem zweiten Job Interview eingeladen worden, nur zwei Tage später. Rein aus Interesse bin ich hin. Und was soll ich sagen, im Gegensatz zum Ersten war ich die Ruhe selbst. Mit der Vorgesetzten hab ich zwar auf Anhieb „geklickt“, aber der Verdienst ist weniger, als ich in der Apotheke bekomme, und die Stelle ist ab Januar auch nicht mehr ganz so sicher. ‚Wahrscheinlich ein Teilzeitjob’ mit der ‚eventuellen Aussicht auf Vollzeit’ ist mir dann doch zu vage.
Es ist geschafft! Ich habe Arbeit und kann mich jetzt ganz auf den Auszug aus dem Sargnagelhaus konzentrieren… und in 11 Tagen erstmal in Urlaub nach Island gehen, bevor ich dann meine neue Stelle antrete.
Danke für’s Daumen drücken!
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Dienstag, 12. Oktober 2010
Freitag, 1. Oktober 2010
Tag 527 - Auld Lang Syne
Eins hab ich gelernt.
Um in London einen Job zu finden darf man nicht vor dem Computer sitzen bleiben, um seine Bewerbungen per Mausklick auf gut Glück durch das Datennirwana zu jagen. Nein, bewerben in London heißt den Arsch auf die Straße zu bewegen. Hundert Kopien des Lebenslaufs in die Tasche packen und los geht’s. Vorbei am Trafalgar Square, entlang der Charing Cross Road in Richtung Shaftesbury Avenue. Kurzer Abstecher zur Denmark Street, dann quer durch Soho zum Picadilly Circus. Schließlich der Regent Street solange folgen, bis einige Stunden vergangen und die Tasche um etliche Bewerbungen erleichtert ist.
Das ist was ich am Samstag gemacht habe. Mit meinen schönsten Klamotten und dem nettesten Lächeln hab ich Geschäfte, Pubs, Theater und Hotels in London abgeklappert. Ich habe mit Managern gesprochen, mit Landlords, mit Rezeptionisten. Alle waren ausnahmslos freundlich und positiv, haben meine Bewerbung entgegengenommen und mir beim Abschied das Gefühl gegeben, dass sie geradezu auf meine Unterlagen gewartet hätten.
Keine Ahnung, was dabei herauskommt. In wie vielen Papierkörben mein sauber getippter Lebenslauf landen wird, ob ich wirklich angerufen werde, und ob sich tatsächlich das eine oder andere Vorstellungsgespräch ergibt. Auf jeden Fall hab ich eine tolle Erfahrung gemacht und werde noch durch viele weitere Straßen ziehen, immer bereit meinen CV zu zücken, wenn sich eine klitzekleine Chance ergibt.
Nur noch 25 Tage, dann ist meine Zeit bei den Sargnägeln vorbei. Momentan noch unvorstellbar. Ich glaube so richtig hab ich noch gar nicht realisiert, dass ich bald nicht mehr in dem chaotischen Haus wohne und von diesen kleinen Monstern auf Trab gehalten werde. Ich werde meinen Schlüssel, mein Bett und meinen Platz an ein neues Au Pair abgeben, die bestimmt genau so aufgeregt sein wird, wie ich es am Anfang war. Und dann wird sie übernehmen, und ich bin raus.
Es wird komisch werden am Anfang. Ein weiteres Mal gebe ich meine vertraute Umgebung auf, um mich in etwas Neues zu stürzen. Aber die Freude überwiegt. Ich werde mit Gawjus in ein Zimmerchen ziehen, arbeiten gehen, weiterhin England und mein Leben genießen. Mummy und die Sargnägel wohnen nicht weit weg und ich kann ihnen weiterhin eine Freundin sein. Mit dem neuen Au Pair bin ich in Kontakt und weiß jetzt schon, dass sie die perfekte Besetzung für dieses Chaos hier ist.
Übrigens ist ein neuer Sargnagel unterwegs… Der Bruder von Gawjus erwartet im November sein erstes Kind… und ich werde die AUNTIE und bin schon zum babysitten verpflichtet. Naja, Babykacke wird nach dem, was ich von den Sargnägeln aufgewischt habe, ein Klacks.
So sehr sie mich auch in den Wahnsinn getrieben haben – und das auch immer noch mit Beharrlichkeit tun – ich genieße jetzt noch die letzte Zeit mit den beiden Sargnägeln.
Letzte Woche war es noch einmal 25 Grad warm. Da sind wir querfeldein ohne Ziel einfach mal drauflos gelaufen. Drei Stunden haben die beiden ohne ein einziges Mal meckern durchgehalten. Klein Sargnagel auf dem Weg zurück erstaunt: „Ich hab heute noch gar nicht geweint!“
Ein weiteres Video ist auch in Arbeit.
Nächstes Mal mehr.
Um in London einen Job zu finden darf man nicht vor dem Computer sitzen bleiben, um seine Bewerbungen per Mausklick auf gut Glück durch das Datennirwana zu jagen. Nein, bewerben in London heißt den Arsch auf die Straße zu bewegen. Hundert Kopien des Lebenslaufs in die Tasche packen und los geht’s. Vorbei am Trafalgar Square, entlang der Charing Cross Road in Richtung Shaftesbury Avenue. Kurzer Abstecher zur Denmark Street, dann quer durch Soho zum Picadilly Circus. Schließlich der Regent Street solange folgen, bis einige Stunden vergangen und die Tasche um etliche Bewerbungen erleichtert ist.
Das ist was ich am Samstag gemacht habe. Mit meinen schönsten Klamotten und dem nettesten Lächeln hab ich Geschäfte, Pubs, Theater und Hotels in London abgeklappert. Ich habe mit Managern gesprochen, mit Landlords, mit Rezeptionisten. Alle waren ausnahmslos freundlich und positiv, haben meine Bewerbung entgegengenommen und mir beim Abschied das Gefühl gegeben, dass sie geradezu auf meine Unterlagen gewartet hätten.
Keine Ahnung, was dabei herauskommt. In wie vielen Papierkörben mein sauber getippter Lebenslauf landen wird, ob ich wirklich angerufen werde, und ob sich tatsächlich das eine oder andere Vorstellungsgespräch ergibt. Auf jeden Fall hab ich eine tolle Erfahrung gemacht und werde noch durch viele weitere Straßen ziehen, immer bereit meinen CV zu zücken, wenn sich eine klitzekleine Chance ergibt.
Nur noch 25 Tage, dann ist meine Zeit bei den Sargnägeln vorbei. Momentan noch unvorstellbar. Ich glaube so richtig hab ich noch gar nicht realisiert, dass ich bald nicht mehr in dem chaotischen Haus wohne und von diesen kleinen Monstern auf Trab gehalten werde. Ich werde meinen Schlüssel, mein Bett und meinen Platz an ein neues Au Pair abgeben, die bestimmt genau so aufgeregt sein wird, wie ich es am Anfang war. Und dann wird sie übernehmen, und ich bin raus.
Es wird komisch werden am Anfang. Ein weiteres Mal gebe ich meine vertraute Umgebung auf, um mich in etwas Neues zu stürzen. Aber die Freude überwiegt. Ich werde mit Gawjus in ein Zimmerchen ziehen, arbeiten gehen, weiterhin England und mein Leben genießen. Mummy und die Sargnägel wohnen nicht weit weg und ich kann ihnen weiterhin eine Freundin sein. Mit dem neuen Au Pair bin ich in Kontakt und weiß jetzt schon, dass sie die perfekte Besetzung für dieses Chaos hier ist.
Übrigens ist ein neuer Sargnagel unterwegs… Der Bruder von Gawjus erwartet im November sein erstes Kind… und ich werde die AUNTIE und bin schon zum babysitten verpflichtet. Naja, Babykacke wird nach dem, was ich von den Sargnägeln aufgewischt habe, ein Klacks.
So sehr sie mich auch in den Wahnsinn getrieben haben – und das auch immer noch mit Beharrlichkeit tun – ich genieße jetzt noch die letzte Zeit mit den beiden Sargnägeln.
Letzte Woche war es noch einmal 25 Grad warm. Da sind wir querfeldein ohne Ziel einfach mal drauflos gelaufen. Drei Stunden haben die beiden ohne ein einziges Mal meckern durchgehalten. Klein Sargnagel auf dem Weg zurück erstaunt: „Ich hab heute noch gar nicht geweint!“
Ein weiteres Video ist auch in Arbeit.
Nächstes Mal mehr.
Samstag, 18. September 2010
Tag 518 - Vacation or Vacancy
Es wird Zeit eine neue To-Do-Liste zusammenzustellen. So eine brauchte ich, bevor ich nach England ging. Und da ich mich entschlossen habe zu bleiben, gibt es auch hier ein paar Sachen um die ich mich jetzt kümmern muss.
Also, was liegt gerade an?
1. Abmeldebescheinigung aus meinem früheren Wohnort organisieren
2. Geburtsurkunde organisieren
3. Mit 1. und 2. bei der Deutschen Botschaft in London einen Reisepass beantragen*
4. Nachweis meiner Anschrift besorgen**
5. Mit 4. ein Konto eröffnen***
6. National Insurance Number beantragen****
7. Einen Job finden*****
*Einen Reisepass brauche ich, weil mein Personalausweis bald ablaufen wird.
**Nichts ist so wichtig wie ein Adressnachweis, wenn man ein Konto eröffnen will. Da es in UK keine Meldepflicht gibt, muss man irgendwie anders nachweisen, dass man an der angegebenen Adresse auch tatsächlich wohnt. Das geht zum Beispiel mit dem Vorlegen von Strom- oder Gasrechnungen, Kontoauszügen oder Behörden- und Bankpost. Mein Problem ist allerdings, dass ich als Au Pair keine Rechnungen oder so was bekomme. Jetzt muss ich mir was einfallen lassen. Aber vielleicht kann ich die Abmeldebescheinigung verwenden, die meine frühere Stadtverwaltung schicken wird.
***Mein altes Konto hatte ich vor einem Jahr aufgelöst, weil ich mich bei dieser blöden Bank an Gebühren dämlich gezahlt habe und mein Geld seitdem lieber in einer Zigarrenkiste aufhebe...
****Obwohl ich das wohl lieber dem zukünftigen Arbeitgeber überlassen werde… für den wird das wahrscheinlich Routine sein, wogegen es für mich in den Bürokratenwahnsinn ausarten könnte.
***** Ein gutes Duzend Bewerbungen hab ich jetzt verschickt. Allerdings glaube ich, dass ich mein Ziel etwas hoch gesteckt habe für den Anfang. Ich habe mich für Bürojobs beworben, die meinem Beruf entsprechen… allerdings dem Beruf, den ich in Deutschland ausgeübt habe. Ob ich hier ohne Weiterbildung auf demselben Niveau arbeiten kann ist fraglich.
Was also tun? Ich brauche Einkommen, und zwar schnell. Ohne Geld hab ich hier keine Chance. Diese Stadt saugt einem regelrecht jeden Penny aus der Tasche.
Ich habe mit einigen erfahrenen Leuten gesprochen. Vor allem die Ladies im Charity Shop haben mir sehr guten Rat erteilt. Sie alle haben auf die Wichtigkeit hingewiesen, erstmal irgendwo einen Fuß in die Tür zu kriegen.
So kam ich jetzt auf die Idee, mich in High Street Geschäften zu bewerben und klein anzufangen, als Regaleinräumerin, Verkäuferin oder Kassiererin. Dieser Stundenlohn kann mich auf jeden Fall fast schon füttern. Und dann werde ich mich hocharbeiten. Vielleicht werde ich Ober-Regaleinräumerin oder High-Speed-Kassiererin. Mein Foto wird so lange im Mitarbeiter-des-Monats-Schaukasten hängen, bis es ausbleicht. Und dann wird mir empfohlen, mich intern auf eine Position im Büro zu bewerben, schließlich weist mein Lebenslauf ja auch Erfahrung darin auf… und dann klettere ich noch ein paar Sprossen höher, hallo Verwaltung, und bin plötzlich die Chefin einer Debenhams Filiale, woohoo.
Naja, es KÖNNTE ja sein!
Auf jeden Fall bleibe stürze ich mich jetzt kopfüber in die Bewerbungsflut und bleibe mal ganz gespannt, wo ich am Ende auftauche. Werde berichten.
Also, was liegt gerade an?
1. Abmeldebescheinigung aus meinem früheren Wohnort organisieren
2. Geburtsurkunde organisieren
3. Mit 1. und 2. bei der Deutschen Botschaft in London einen Reisepass beantragen*
4. Nachweis meiner Anschrift besorgen**
5. Mit 4. ein Konto eröffnen***
6. National Insurance Number beantragen****
7. Einen Job finden*****
*Einen Reisepass brauche ich, weil mein Personalausweis bald ablaufen wird.
**Nichts ist so wichtig wie ein Adressnachweis, wenn man ein Konto eröffnen will. Da es in UK keine Meldepflicht gibt, muss man irgendwie anders nachweisen, dass man an der angegebenen Adresse auch tatsächlich wohnt. Das geht zum Beispiel mit dem Vorlegen von Strom- oder Gasrechnungen, Kontoauszügen oder Behörden- und Bankpost. Mein Problem ist allerdings, dass ich als Au Pair keine Rechnungen oder so was bekomme. Jetzt muss ich mir was einfallen lassen. Aber vielleicht kann ich die Abmeldebescheinigung verwenden, die meine frühere Stadtverwaltung schicken wird.
***Mein altes Konto hatte ich vor einem Jahr aufgelöst, weil ich mich bei dieser blöden Bank an Gebühren dämlich gezahlt habe und mein Geld seitdem lieber in einer Zigarrenkiste aufhebe...
****Obwohl ich das wohl lieber dem zukünftigen Arbeitgeber überlassen werde… für den wird das wahrscheinlich Routine sein, wogegen es für mich in den Bürokratenwahnsinn ausarten könnte.
***** Ein gutes Duzend Bewerbungen hab ich jetzt verschickt. Allerdings glaube ich, dass ich mein Ziel etwas hoch gesteckt habe für den Anfang. Ich habe mich für Bürojobs beworben, die meinem Beruf entsprechen… allerdings dem Beruf, den ich in Deutschland ausgeübt habe. Ob ich hier ohne Weiterbildung auf demselben Niveau arbeiten kann ist fraglich.
Was also tun? Ich brauche Einkommen, und zwar schnell. Ohne Geld hab ich hier keine Chance. Diese Stadt saugt einem regelrecht jeden Penny aus der Tasche.
Ich habe mit einigen erfahrenen Leuten gesprochen. Vor allem die Ladies im Charity Shop haben mir sehr guten Rat erteilt. Sie alle haben auf die Wichtigkeit hingewiesen, erstmal irgendwo einen Fuß in die Tür zu kriegen.
So kam ich jetzt auf die Idee, mich in High Street Geschäften zu bewerben und klein anzufangen, als Regaleinräumerin, Verkäuferin oder Kassiererin. Dieser Stundenlohn kann mich auf jeden Fall fast schon füttern. Und dann werde ich mich hocharbeiten. Vielleicht werde ich Ober-Regaleinräumerin oder High-Speed-Kassiererin. Mein Foto wird so lange im Mitarbeiter-des-Monats-Schaukasten hängen, bis es ausbleicht. Und dann wird mir empfohlen, mich intern auf eine Position im Büro zu bewerben, schließlich weist mein Lebenslauf ja auch Erfahrung darin auf… und dann klettere ich noch ein paar Sprossen höher, hallo Verwaltung, und bin plötzlich die Chefin einer Debenhams Filiale, woohoo.
Naja, es KÖNNTE ja sein!
Auf jeden Fall bleibe stürze ich mich jetzt kopfüber in die Bewerbungsflut und bleibe mal ganz gespannt, wo ich am Ende auftauche. Werde berichten.
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