Mittwoch, 18. November 2015

Freud, Leid und ein Abschied

Der Sargnagel ist männlich, das hat der letzte Ultraschall eindeutig bestätigt.

Ich freue mich. Natürlich wäre jedes Geschlecht willkommen gewesen, aber ein Junge, das ist so sehr viel freundlicher für die Augen. Und damit meine ich, was die hierzuländige Babymode angeht. In so gut wie jedem Laden sind die Jungen- und Mädchensachen nämlich strengstens getrennt. Und wenn man in Richtung GIRLS schaut, wird man sofort von einer pinken Keule erschlagen. Alles ist pink. PINK! Ich weiß nicht, ob den Babymodendesignern entgangen ist, dass es durchaus noch andere Farben auf der Palette gibt, und dass auch blau, grün und braun durchaus von Menschen weiblichen Geschlechts getragen werden können. Dies sind nämlich die Farben, die im Gegenregal unter BOYS dominieren. Da schießen einem nicht sofort die Migränetränen in die Augen, aber auch hier stellt sich die Frage, wo den eigentlich die ganzen anderen Farben der Welt sind. Rot? Kein rot? Oder Orange? Gelb? Lila? Shades of Grey? Ich kenne die Pantone Palette, die aus über 1100 verschiedenen Farbtönen besteht. Und nur etwa fünf davon scheinen es in die hiesigen Babyläden geschafft zu haben. Wie unglaublich langweilig.

Als neutrale Farbe für die Leute, die sich entscheiden das Geschlecht bis zur Geburt eine Überraschung zu belassen gibt es dann die Alternative dem Kindchen alles in Weiss einzukaufen. Weiss! Was für eine überaus praktische Farbe für ein Wesen, das nur so von Körperflüssigkeiten sprudelt. Macht auch kaum Umstände, dass man dann strengstens Wäsche sortieren muss, und sobald sich was Rotes einschleicht endet man wieder mit.... PINK.

Warum ist es so wichtig gleich von Geburt an kenntlich zu machen, dass Mädchen nicht gleich Junge und Junge nicht gleich Mädchen ist? Was soll diese Blau/Pink Trennung, und warum sollte mich stören, ob die Omma im Bus mir zu meinem niedlichen Mädel gratuliert, wenn im Kinderwagen eigentlich ein kleiner Junge vor sich hin schlummert? Wird das Kind dadurch psychische Probleme kriegen? In der Krabbelgruppe von einem Mob aggressiver Säuglinge zur Klassenkeile verurteilt? Werden mich die Drachenmütter mit ihren bonbonrosa schleifchentragenden Herzchenstramplis zur Rabenmutter des Jahrhunderts erklären, wenn ich dem Lütten einen geblümten Sonnenhut überstülpe?

Ich gehe jetzt lieber in Second Hand Läden und staube das eine oder andere ungewöhnlich kolorierte Teil zum Spottpreis ab, anstatt mich der Geschlechtertrennung in den Highstreet Läden anzupassen und einen blauen Strampli neben den nächsten in Schrank zu hängen. Mein Kind wird BUNT.



So viel zum Sargnagel-Update. Diese Woche gab es traurige Nachrichten, einer der Pub Freaks ist gestorben und ich möchte die Gelegenheit kurz nutzen um Spexx die Ehre zu erweisen, den ich seit meiner frühesten England-Zeit aus dem Railway Pub kenne, und den ich auch schon im Blog und Buch erwähnt hatte.


Die Sonnenbrille hat er niemals abgenommen. Sie war sein Markenzeichen, und auch sein Schutzschild gegen den Rest der Welt. Ein sanfter, schüchterner Mann dessen Leidenschaft die Musik war. Ein begnadeter Gitarrist und der größte Pink Floyd Fan unter der Sonne.
Shine on.

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