Sonntag, 22. Juli 2012

Cornwall

Es war dann doch relativ trocken in Cornwall. Wobei, trocken scheint das falsche Wort zu sein. Es war eher so... feucht.

Wir hatten einen festsstehenden Wohnwagen gemietet, auf einem idyllischen kleinen Campingplatz in der Nähe von Bude. Der Besitzer ist ein alter Schulfreund vom Gawjus und überschlug sich fast vor Gastfreundschaft. Hatte ich einen kleinen Wohnwagen erwartet, in dem man sich kaum drehen kann und jeden Tag das Plastikplumpsklo leeren muss, so war ich dann doch sehr überrascht als wir einen Caravan in der Größe einer Zwei-Zimmer-Wohnung präsentiert bekamen. Zwei Schlafzimmer, Bad, Toilette, und Wohraum mit Küche und Ess-Ecke. Fließendes Wasser, Gasherd, Kühl- und Gefrierschrank, Ferseher und DvD Player. Nicht schlecht! In der Ferne konnte man vom Fenster aus sogar das Meer sehen.

Jaja, gleich mal ein cornish "Doom Bar" Ale aufgemacht. Prost!
Korridor - wie ein einer normalen Wohnung
Doch so luxuriös der Wagen auch schien, die Wände waren doch nur aus Pappe, und die Fenster bestanden aus Glasscheiben in der Pappe. Am ersten Morgen fühlte sich alles etwas klamm und nicht gerade trocken an. Nasse Kleidung trocknete überhaupt nicht, und davon hatten wir der Woche mehr als genug. Sich nach der Dusche mit einem kalten, nassen Handtuch abtrocknen ist auch irgendwie ein wenig frustrierend. Und eines Abends entfernte ich eine kleine Schnecke, die fröhlich über die Bettdecke kroch. Aber das ist halt Camping und das Wetter trug nicht gerade positiv dazu bei. Jede Nacht schüttete es ohne Pause.

Die ersten zwei Tage fuhren wir etwas planlos umher. Der Gawjus immer auf der Suche nach einem guten Platz um die Angel auszuwerfen, ich auf der Suche nach einer Lücke zwischen den Wolken. Aber diese Un-Strategie brachte uns wirklich in die niedlichsten Dörfer und Buchten. Cornwall ist was Besonders, das steht fest. Mit den schroffen Klippen scheint es, als sei dort ist mal ein ganzes Stück Erde abgebrochen und in den Atlantik gefallen. Ein Alptraum für Gawjus, weil an vielen Orten das Meer überhaupt nicht erreichbar ist, ohne dass man halsbrecherisch Klippen hinabklettern muss, und dann in Gefahr läuft von der blitzschnell hereinkommenden Flut abgeschnitten zu werden. Am ersten Tag kletterten wir zum Beispiel dort runter:


Äußerst anstrengend. Vor allem der Weg rauf.
Als wir am zweiten Tag im wunderschönen Port Gaverne landete, lernte der Gajwus, dass die Cornish People nicht klettern, sondern gleich von der Klippe angeln. Nicht gerade die beste Methode für arme Flachländler mit Höhenangst.


Am Anfang war es echt gruselig, an die Kante zu stehen und dann noch eine Angel auszuwerfen. Aber man gewöhnte sich dann doch recht schnell daran. Und irgendwann saß ich da, mit den Beinen baumelnd und genoss die Aussicht.




Wir schlossen noch Freundschaft mit einem Angler namens Ken, der Herr in blau. Blau bezieht sich nicht nur auf die Farbe seiner Jacke. Er hatte eine große 2-Liter Flasche bei sich. "Orangensaft und Gin", rief er, machte einen Ausfallschritt, und wäre fast von der Klippe gestürzt. Er lachte und tat so als wäre nichts gewesen. Die spinnen, die Cornwaller. 


Wer das wahre Wesen der Cornish People kennenlernen will, muss einfach mal nach dem Weg fragen. Sie sehen grob aus, die Alten. Wettergegerbt, von der rauen Seeluft verwittert. Graue Bärte, kleine Äuglein und große, von Adern durchzogene Nasen. Sie leben auf saftig grünen Klippen, die Schroff in den wilden Atlantik abfallen. Und so grimmig sie auch dreinschauen, eigentlich sind sie sehr nett und hilfsbereit. Vielleicht auch etwas zu hilfsbereit. Da war dieser eine alte Bauer, der uns den Weg zu einer etwas versteckten Bucht erklärte. Er redete und redete. Beschrieb jede einzelne Windung der Straße, jedes Feld, jedes Schild das wir passieren würden. Und ganz am Ende seiner Beschreibung sagte er: "Und wenn ihr dann an der roten Postbox vorbeikommt, nach der Kuhweide, wenn die Häuser wieder anfangen. Dann seid ihr zu weit."
Der nächste wollte uns in einen Trick einweihen, wie man eine besonders steile Klippe hinunter kommt. Er fing jeden Satz an mit "Und dann werdet ihr denken, wo hat uns der Verrückte den nur hingeschickt, aber dann seht ihr den Pfad..." Auch diese Wegbeschreibung dauerte ewig. Ich mag sie, die Cornish.

Auch kulinarisch gibt es einiges zu genießen:

Cornish Pasties


Frisch aus dem Ofen, gefüllt mit Rindfleisch, Zwiebel, Kartoffel und Steckrübe. So deftig und füllig, nach einer Halben davon hat man schon für den ganzen Tag gegessen.

 Cream Tea


Auch hier kriegt man noch warm aus dem Ofen ein Scone aus einer Art Butterteig. Das schneidet man auf und bestreicht jede Hälfte mit Streichrahm (Clotted Cream) und obendrauf noch Erdbeermarmelade. Dazu gibt es einen guten starken Tee. Der Himmel auf Erden!

 Rattler Cider


6% Alkohol hat das Teil. Hätte mich, an das leichte englische Bier gewöhnt, fast umgehauen. Die Surfer Dudes, die man hier überall findet, trinken dieses süße Cider ganz besonders gerne. Gibt es auch als Birne und Beere.

Sea Food

Einfach frischer Fisch und Meeresfrüchte. Es schmeckt so unglaublich anders, an der Küste. Gawjus hatte während der Woche in Cornwall Geburtstag. Zur Feier des Tages sind wir nach Padstow in Rick Stein's Seafood Restaurant. Es war unbeschreiblich lecker. Das Lunch Menu ist sogar bezahlbar. Wir bekamen Vorspeise, Hauptgericht und Dessert für £40 pro Nase. Das sind umgerechnet etwa 50 Euros. Okay, teuer. Aber Geburtstag! Und dafür bekamen wir Geschmacksexplosionen: Hummer-Risotto, Krebs-Linguine, ein unglaublich hässlicher Fisch namens John Dory, der ganz überraschend gut schmeckte, und Rochen. Dann Himbeer Sorbet und Schokotorte zum Nachtisch. Wow. 


Padstow ist ganz niedlich. Das ganze Leben dort scheint sich um den Hafen herum abzuspielen. Überall sieht man Kinder auf der Hafenmauer sitzen, die versuchen mit den bunten Leinen, die es überall zu kaufen gibt, Krebse zu fangen. 


Aber ich habe noch nie so viele Hunde an einem Fleck gesehen. Alle Farben, alle Größen. Hunde. Warum dort? Keine Ahnung. 

Ein wenig Action musste auch sein. Da Bude einen der besten Surfstrände hat, war es nur klar, dass wir das auch ausprobieren mussten. Überall kann man billige Neoprenanzüge kaufen, sogar im Supermarkt. Und Surfboards und Bodyboards konnten wir uns von Kevin leihen, dem Campingplatz Besitzer. Er und unser Wohnwagen Nachbar kamen auch mit. 
Die Flut drückte gerade mit aller Kraft herein. Die Wellen waren heftig. Komplett unerfahren hatte ich keine Ahnung, auf was wir uns da gerade einließen. Ich stapfte los, ins Meer. Das Wasser ging mir ungefähr bis zur Hüfte, als mich die erste Welle traf. Ich hatte keine Chance. Sie riss mich von den Füßen und wirbelte mich mit drei Purzelbäumen wieder zurück Richtung Strand, wo sie mich hämisch ausspuckte. Wow, was war das denn? Ich lief wieder los... mit demselben Ergebnis. Es war unmöglich, über die Brecher zu kommen. Fünf Minuten später standen wir alle da wie begossene Pudel. Ich blutete aus einem Schitt im Knie, dem Wohnwagen Nachbar lief das Blut aus einer Wunde an der Augenbraue über das halbe Gesicht, und der Gawjus hielt sich die taube Hand, die er gegen einen Stein geschmettert hatte. Lief ja prima. 

Man kann schon erahnen, was als nächstes kommt...
Weggespült
Wir beschränkten uns dann auf Bodyboarding in den Brechern, was ziemlich gut funktionierte, aber nicht sehr professionell aussah, wie wir da im knietiefen Wasser herumdümpelten. Sandpaniert und mit algenähnlichen Haaren machten wir uns dann ziemlich bald auf den Weg in einen Pub, wo auch die ganzen Surfer Dudes herumhingen und Rattler tranken. So geht Surfen, jawollja. 


Ein wenig harmloser war die Kajatour, die wir gebucht hatten. Zwei Stunden paddelten wir entlang der Klippen, und erkundeten auch die eine oder ander Höhle.



Der Gawjus fing sogar einen Fisch. Vom Kayak. Aber mehr werde ich jetzt nicht mehr über das Angeln schreiben, denn das tut er selber in seinem Blog. Sogar mit Video. Ich kam endlich dazu meine Kodak Playsport Kamera unter Wasser zu testen. Funktionierte super. 


Zum Schluss fehlte nur noch ein wenig Kultur, um es einen gelungen Urlaub zu machen. Dafür gingen wir nach Tintagel, das angeblich der Geburtsort der King Arthur Sagen ist. Ist die riesige Ruine auf der Klippe tatsächlich mal Camelot gewesen? Die Tintagler sind davon überzeugt. An jeder Ecke findet man etwas, das mit der alten Sage zu tun hat. King Arthur's Bookshop:


Das Camelot Hotel:



Wir gingen in Merlin's Cave:



Und dann erklommen wir ungefähr zwei Millionen Stufen und erkundeten die Ruine. Wie man sieht was das Wetter äußert seltsam an diesem Tag. Es war schwülkaltwarmdämpfig und fing immer mal wieder an zu regnen.


Camelot?


Ein gelungener Urlaub. Obwohl sich der Sommer einfach nicht einstellen wollte, wir hatten trotzdem eine gute Zeit. Aber nach der Woche war ich dann doch froh, wieder ein paar trockene Socken anziehen zu können, einen zuverlässigen Boiler zu haben, solide Wände und Doppelglas in den Fenstern. Home sweet Home. 

Kommentare:

  1. Aww, ein Cornwallbericht! Komm her und lass Dich knuddeln!
    Den druck ich mir doch gleich mal aus und freu mich noch viel mehr auf unseren Urlaub. Rick Stein's Seafood Restaurant könnte ich mir auch vorstellen, muss gleich mal gucken, ob das in der Nähe liegt - auch ohne Geburtstag ;-).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Padstow liegt gar nicht so weit weg von der Grenze zu Devon. Echt tolles Erlebnis für Food-Liebhaber.
      Jedenfalls viel Spaß im Urlaub, es besteht noch Hoffnung fürs Wetter. Diese Woche war jeden Tag 30 Grad (und wer hat gleich mal ne Grippe?)

      Löschen
    2. Hoffentlich geht es dir bald wieder besser!

      Löschen
  2. Cornwall ist ein Traum! Ich wollte immer mal gern einen Urlaub im Caravan machen. Vielleicht dann doch lieber nicht ...

    Hast du mein Cornwall-Blog schon gesehen? Da wird dir vieles bekannt vorkommen.
    http://britblog.blog.de/2009/10/03/laengste-postkarte-welt-7091538/

    AntwortenLöschen
  3. Hey, du warst ja fast genau da wo wir auch waren... Boscastle, Port Isaac, Tintagel... Herrlich! Nur ihr hattet schönes Wetter, grrrr!

    AntwortenLöschen
  4. Tja, da musst du halt im Oktober fahren. :-) Machen wir immer, und das Wetter ist meistens gut.

    Ich sehe ihr macht gern Urlaub im eigenen Land? Wir auch! Wir waren bisher in Suffolk, Cornwall, den Downs, Devon, Yorkshire. Es gibt so viel, wo ich hier noch hin will: New Forest, Wales, Lake District, nochmal Yorkshire, Cotswolds, Norfolk ... Als nächstes kommt erstmal Schottland.

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Sarah,

    ein toller Bericht - du hast die kornischen Landsleute (also die älteren jedenfalls) doch sehr passend beschrieben. Nett sind hier eigentlich die meisten, und eigentlich läuft immer alles ganz gemütlich ab. Wir haben hier in Cornwall einen Ausdruck „Dreckly“ - der so viel wie „jetzt gleich“ bedeutet - was bei Cornwallern heißt, es könnte sich ein paar Wochen hinziehen :)

    Cornwall ist meine Wahlheimat und weil sie mir so gut gefällt, habe ich einen Blog erstellt, der sich voll und ganz Cornwall widmet - vielleicht findest du dort ja auch Anregungen für deinen nächsten Besuch - http://www.urlaubcornwall.de/blog/ - wenn es euch trotz des Dauerregens gefallen hat, kommt ihr doch bestimmt mal wieder, oder? :)

    Beste Grüße aus Cornwall,
    Niall MacDougall

    AntwortenLöschen